Abba

Jesus „sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“ (Mk.14,36)

 

Jesus, der Sohn Gottes, war ein Mensch wie wir. Jeder im Volk Israel damals, wusste, wie brutal es war, wenn jemand von den Römern gekreuzigt wurde. Jesus hatte wie jeder andere Angst vor der Verurteilung, vor dem Spott der Menschen, vor der Geißelung und vor dem Verrecken am Kreuzesbalken. Seine ganze innere Not äußerte er in dem Satz zu seinen Jüngern: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod.“ (V.34) und in dieser Bitte zu Gott: „Nimm diesen Kelch von mir.“

Bis zu dieser Nacht im Garten Gethsemane hatte Jesus als der souveräne Herr gepredigt und gewirkt. Im Jüngerkreis war er der unumstrittene Meister. In Vollmacht hatte er das Volk gelehrt und Menschen in ihren Krankheiten geheilt. Er hatte Macht über die Dämonen und über die Naturgewalten. Selbst die Fangfragen und die verbalen Angriffe seiner Gegner hatte er gekonnt pariert. Er war der Sohn Gottes, den Gott mit einer besonderen inneren Freiheit ausgestattet hatte. Jetzt hier im Garten Gethsemane wird der Herr zum Sklaven, den man gefangen nimmt, und der Hohepriester zum Opferlamm, das geschlachtet wird. Der vor Gott Freie lässt sich seiner Freiheit berauben.

Noch hätte er aus diesem Garten am Ölberg in Jerusalem in die dunkle Nacht fliehen können. Aber im Gebet mit seinem himmlischen Vater ringt er sich durch zu dem ihm zugedachten Weg. „Abba“ ist im Aramäischen, in der Muttersprache Jesu dasselbe wie unser Wort: „Papa“. So kindlich vertrauensvoll redet er hier mit Gott. Jesus ist so sehr Mensch, dass er es sich aus tiefstem Herzen wünscht, nicht den bitteren Leidensweg gehen zu müssen. Aber er hat im Vaterunser seine Jünger gelehrt zu beten: „Dein Reich komme!“ (Mt.6,10). Jetzt ist er auch selbst breit, nicht zu fliehen, sondern standzuhalten. So betet er: „Doch nicht, was ich will, sondern, was du willst!“

Jesus betet in großer Einsamkeit. Seine Jünger sind in seiner Nähe. Und Petrus, Jakobus und Johannes hat er in seine nächste Nähe mitgenommen. Er hat sie gebeten, zusammen mit ihm zu wachen und zu beten. Aber sie sind eingeschlafen. Sie haben es nicht gemerkt, was die Stunde geschlagen hat. Von ihnen bekommt Jesus jetzt keine Unterstützung.

Man könnte zutiefst über das, was hier passiert, erschrocken sein. Jesus betet zu seinem Vater im Himmel. Und die Antwort Gottes sind die harten Tatsachen, die jetzt geschehen: Jesus wird verraten. Man nimmt ihn gefangen. Er wird verurteilt. Die Kriegsknechte verspotten und geißeln ihn. Dann wird er gekreuzigt, muss sterben und wird begraben. Das alles will Gott. Und Jesus beugt sich dem Willen seines Vaters im Himmel. Wir können nur in Ehrfurcht über diese Wende im Leben Jesu staunen.

Ich wünsche Ihnen im Namen unserer Gemeinde eine gesegnete Passionszeit und ein fröhliches Osterfest

Ihr Hartmut Frische, Pfr.